15.06.2015
 
Wissenschaft und Glaube sind "orthogonal", wie wir sagen.
Das bedeutet, dass Glaubensinhalte mit wissenschaftlichen Verfahren
weder bewiesen noch widerlegt werden können.
Umgekehrt kann Offenbarungswissen nicht zur Widerlegung oder
Bestätigung wissenschaftlicher Hypothesen herangezogen werden.
Glaube setzt dort an, wo wissenschaftliche Evidenz endet.
Wissenschaftlicher Fortschritt verschiebt die Grenzen
zwischen Erklärtem und Unerklärtem.
Es ist, als bliese man in einen Ballon.
Das Volumen des Gewussten nimmt zu, aber die Oberfläche,
die Grenzfläche zum Nichtgewussten, dehnt sich ebenfalls aus.
 
(Wolf Singer)
02.06.2015
 
Der Zustand unserer gegenwärtigen Lebenssituation
ist die unmittelbare Folge früherer
getroffener richtiger oder falscher Entscheidungen.
Anhaften an Erfolg, Ehre oder Besitz macht niemanden glücklicher.
Erfüllte Wünsche lasssen einen im Stich,
sobald man das Begehrte erreicht hat.
Sobald ein Traum zur Realität wird, passt er
nicht mehr in das ideelle Muster vom Ich und seiner Vision.
Ein endlich erreichtes Ziel, ein erfüllter wichtiger Wunsch erzeugen,
wenn sie orthodox, also nach der gewohnten Methode des Wollens und Kämpfens
gewonnen werden, eine andere unangenehmee Nebenwirkung:
Die Sorge, das Erlangte wieder zu verlieren.
 
(Theo Fischer)

17.05.2015

Wenn eine Illusion zerplatzt, eine Lebenslüge enttarnt wird,

stehen wir vor der Realitätskluft. Eine Kränkung, eine Zurückweisung,

eine Kritik macht uns schlagartig bewußt, dass wir nicht so intelligent,

begabt oder gutaussehend sind, wie wir es gerne wären.

Das lang gehegte Selbstbild: eine Täuschung.

Vollständig werden sich die Klüfte zwischen Wunsch und Wirklichkeit

im Leben nie schließen lassen.

Wünsche bleiben unerfüllt, Erwartungen werden frustriert.

(Russ Harris)

05.05.2015
 
Hielten wir etwa ethische Vorstellungen für beliebig,
würde jedes Nachdenken über unser Leben,
jedes Interesse daran sinnlos,wir versänken
in einem Chaos aus Unsicherheit und Gleichgültigkeit.
Der Mensch steht also vor dem Dilemma,
dass er ohne Nachdenken nicht verantwortungsvoll leben kann
und dass leider das Nachdenken wiederum höchst
irrtumsanfällig ist.
 
(Franz Mechsner)
19.04.2015
 
Lege dich in eine Wiese und schaue in den Himmel
Sieh die Wolken vorbeiziehen und die Schmetterlinge tanzen
Rieche das Gras und den Duft der Wiesenblüten
Atme die Morgenluft ein, wie sie nach Tau schmeckt
Höre das Summen der Bienen und die Triller der Vögel
Fühle den Sonnenstaub auf deiner Nase
 
Laufe barfuß durch den nassen Sand am Meer
Beobachte die Rythmen der Wellen, wie sie in den Strand gleiten
Spüre das Salz auf deinen Lippen
Ahne den Geschmack der Algen und der Fische
Höre dem Rauschen der Wogen zu und den Schreien der Möwen
Fühle die Gischt auf deinem Gesicht
 
Freue dich an strahlenden Kinderaugen
Lache über Unsinn, bis Tränen kommen
Weine, wenn du traurig bist
Füge deine Gedanken zu Gedichten
Singe dein inneres Lied
 
Lächle einem Menschen in die Augen
Vertraue ihm und er wird dir vertrauen
Versuche ihn so zu lassen, wie er ist
Verstehe, du wirst ihn nie ändern können
 
Traue deinem Gefühl und deinem Willen
Wisse um die Kraft deiner Gedanken
Folge deinem Weg, er entwickelt sich beim Gehen
Lass dich ein auf das Ungewisse des Lebens
Erkenne deine Bestimmung und versuche die Aufgabe zu lösen
 
Actio est reactio
Staune
 
(Tertio)