05.12.2018

 

Und du wartest, erwartest das Eine,

das dein Leben unendlich vermehrt;

das Mächtige, Ungemeine,

das Erwachen der Steine,

Tiefen, dir zugekehrt.

 

Es dämmern im Bücherständer

die Bände in Gold und Braun;

und du denkst an durchfahrene Länder,

an Bilder, an die Gewänder

wiederverlorener Fraun.

 

Und da weisst du auf einmal: das war es.

Du erhebst dich, und vor dir steht

eines vergangenen Jahres

Angst und Gestalt und Gebet.

 

Rainer Maria Rilke

27.11.2018

Seltsam im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum kennt den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freuden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsam sein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

22.11.2018

 

Steine sind da.
Steine brauchen nichts.
Steine gehören niemandem.
Steine setzen Menschen ihre Kraft entgegen.
Steine bieten Flächen zum Anlehnen.
Steine müssen weggerollt werden.                    

Manchmal einen Berg hinauf

Unbekannt

06.11.2018

 

Steine warten, bis alles vorbei ist

Steine sind nicht so, wie sie uns auf den ersten Blick erscheinen;

sie sind uns eine Ewigkeit voraus.


Steine erleben die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zugleich.

Sie leben zyklisch, sie werden geboren, werden älter und erreichen

dann wieder ihren Geburtszustand, indem sie sich teilen und zerfallen.


Sie leben also nicht nur vorwärts in der Zeit, sondern auch rückwärts.

Sie haben die Eigenschaft nicht aufzufallen und

still an einem Ort liegen bleiben zu können.


Steine warten, bis alles vorbei ist.


Vielleicht nehmen sie uns gar nicht wahr... vielleicht aber doch.

Aus einem Text von Karsten Baldau

25.10.2018

 

Wenn du in die Tiefen deines Herzens hineinhorchst

und die Höhen des Horizonts ermisst,

so wirst du eine einzige Melodie vernehmen,

und in diese Melodie stimmen

der Stein und der Stern gleichermaßen ein.


Khalil Gibran