Was ist ein Paradigma? Jörg Wichmann schreibt in seinem Artikel „Jenseits der Evidenz-Falle“ „Ein Paradigma ist ein Set von weltanschaulichen Grundsätzen und Auffassungen, auf denen ein Weltbild oder eine Wissenschaft beruht. Paradigmen sind historisch gewachsen und verändern sich.“[1]

Ein Beispiel dafür ist ein Paradigma, das lange Zeit Gültigkeit hatte: „Die Sonne kreist um die Erde.“ Kopernikus, der den Irrtum im 16. Jahrhundert erkannte, wurde nicht gehört, auch Galileo Galilei im 17. Jahrhundert hatte trotz des erfundenen Teleskops keine Chance, dieses Dogma der Kirche zu entkräften. Erst Johannes Kepler und Isaak Newton im beginnenden 18. Jahrhundert waren die Pioniere auf dem Weg vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild. Dieser Prozess der Änderung einer Denkstruktur dauerte fast 200 Jahre.

Die Erfahrung daraus? Eine Endgültigkeit in der Erkenntnis gibt es nicht. Wissen will sich erweitern, Bewusstsein will wachsen. Unaufhaltsam ! Nur dadurch ist die Wissenschaft („schafft Wissen“) in der Lage, unglaubliche Erkenntnisse zu erzielen.

Mit Albert Einstein begann im letzten Jahrhundert die Physik die Materie in Beziehung zu Energie und Licht zu setzen. E = mc² zeigt: Energie und Masse sind nur zwei verschiedene Erscheinungsformen desselben.

Hans-Peter Dürr (Physiker, bis 1977 Leiter des Max-Planck-Instituts) sagt im Interview mit Anne Devillard: „Was die neue Physik, die damals entstand, kennzeichnet, ist der Übergang von einer materiellen zu einer holistischen Physik.[2]Die Elektronen sind eigentlich keine Teilchen, sondern schwingende  Wellen. Sie existieren gar nicht! Die Materie existiert im Grunde gar nicht.“ „Da ist keine Materie mehr, nur noch Beziehung, ein Dazwischen, nur noch eine Schwingung des Nichts.[3]

Auch Werner Heisenberg beobachtete 1927 bei seinen Experimenten erstaunliche Phänomene und stellte fest, dass im Bereich der Quantenphysik exakte Messungen nicht durchgeführt werden können, weil die Beobachtung  einen Einfluss auf das Ergebnis hat. ( „Unschärferelation“)

Nun stellt sich die Frage: Ist das Welt- und Menschenbild der auf der Universität gelehrten Medizin noch stimmig? Entspricht dieses dem Lebendigen unseres Lebens? Materie als „DIE REALITÄT“? Müssen Arzneimittel materielle Substanzen sein?

Wie sagt Mephisto in Goethes Faust:

Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,

Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt leider! nur das geistige Band.“

Sind Geist und Materie nicht untrennbar aufeinander bezogen                                 und bedingen sich gegenseitig?

Wenn wir mit den derzeit zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden die Wirksamkeit der Homöopathie nachzuweisen versuchen, können wir nur scheitern, denn es ist das "geistige Band" im Übergang von Information zu Materie oder umgekehrt von Materie zu Information, das in der Homöopathie wirkt. (Das „Dazwischen“?)

Seit der Aufklärung hat die Bedeutung der Freiheit des Geistes zugenommen. Lebendiges war und ist immer in Bewegung.

Immanuel Kant (1724-1804) formulierte: Sapere aude! („Habe Mut, dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“)

Hahnemann und die Homöopathie sind Teil dieses erweiterten Prozesses des Bewusstseins. Bereits im Organon (Hahnemanns niedergeschriebenes Vermächtnis) formuliert er, dass Krankheit als „Verstimmung der geistartigen Lebenskraft“  auch nur mit „geistartigen, dynamisierten Arzneien“ geheilt werden könne.[4] Und mit dieser Erkenntnis ist Hahnemanns Schlussfolgerung, Arzneien zu entmaterialisieren und in ihre informative Essenz zu führen, einfach nur folgerichtig.

Vor über 200 Jahren begann Hahnemann, das weite Feld des Ausdrucks der dynamischen Lebenskraft zu erkunden. Er war Pionier und entdeckte Neuland, die nachfolgenden Generationen sind aufgerufen dieses Erbe weiter zu entwickeln.

Max Planck schreibt 1948 in Wissenschaftliche Selbstbiographie: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“

Diese Aussage macht Hoffnung. Die junge Generation, die uns Homöopathen von klugen Müttern und Vätern oft schon seit Beginn des Lebens vorgestellt wurden und die mit „Kügelchen“ groß wurden, wird gewiss diese Lebenserfahrung in die nächsten Jahrhunderte weitertragen und damit bricht „hoffentlich“ eine neue Zeit an.

Wir müssen und dürfen lernen, mit den Fragen zu leben, die uns dieses Leben aufgibt, denn nur das gibt der nächsten Generation die Möglichkeit, weiterzudenken.

Diese Anstrengung der Geisteskraft verhindert die lähmende Vorstellung, dass das, was wir nicht verstehen, nicht existieren könnte.

Vom klassischen Ideal ausgehend, verlangt die Wissenschaft völlige Neutralität in der Forschung. Ist diese in der derzeitigen hitzigen Diskussion spürbar?? Forschung beginnt mit der Fragestellung. Gibt es noch etwas, was wir nicht kennen aber kennenlernen dürfen/sollen? Friedrich Hölderlin meinte: „Komm! ins Offene! Freund!“[5]

Ein Paradigmenwechsel ist in Vorbereitung und die Homöopathie in der Warteschleife..

 Anne Schadde
Nymphenburger Str. 122
80636 München

www.anneschadde.de

 

[1] Aus „Evidenz der Homöopathie“, Seite 98, Spektrum der Homöopathie, Narayana-Verlag, Heft Nr. 3/2019

[2] Devillard, Anne, Heilung aus der Mitte, Driediger VErlag 2009, S.305

[3] Devillard, Anne, Heilung aus der Mitte, Driediger Verlag 2009. S. 307

[4] Hahnemann, Samuel, Organon der Heilkunst, Karl-F.Haug-Verlag 1987, § 11 und Fußnote1

[5] Die berühmte Zeile: "Komm! ins Offene, Freund!" ist aus dem Gedicht "Der Gang aufs Land".

 

An verschiedenen Homöopathie Schulen bin ich als Fachmann und Lehrer für
die Herstellung von homöopathischen Arzneimitteln, speziell in Hinblick auf
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